Eine intermediale Literaturkritik von Charlotte Seel

Diese Graphic Novel von der mehrfach ausgezeichneten Comiczeichnerin Isabel Kreitz aus dem Jahr 2020 ist eine Adaption des Romans von Uwe Timm.

Am Anfang der Geschichte befindet sich die Hauptfigur, der Ich-Erzähler, in Hamburg und sucht Frau Brücker, bei der er früher Currywurst kaufte. Als er sie im Altersheim findet, fragt er sie, ob sie auch wirklich die Erfinderin der Currywurst sei. Daraufhin erzählt Frau Brücker von ihrer Vergangenheit, ihre Erzählung wird durch das Gespräch, das in der Gegenwart spielt, unterbrochen. Nahe dem Kriegsende arbeitete sie in der Lebensmittelbehörde und lernte einen Soldaten aus Bremen kennen. Sie nahm ihn bei sich auf. Er wurde zum Deserteur und musste sich vor der SS in Frau Brückers Wohnung verstecken. Als Hamburg den Alliierten übergeben wurde, wollte sie den Soldat nicht losziehen lassen, da sie ihn lieb hatte. Sie sagte ihm eines Tages die Wahrheit und als er ging, kaufte sie einen Imbissstand, Wurst, Curry und Ketchup. Auf dem Weg zu ihrer Wohnung fiel sie die Treppe hinunter und alle Zutaten vermischten sich. Aus diesem Zufall entwickelte sie das Rezept der Currywurst, die sie noch Jahre nach dem Krieg verkaufte. Am Ende der Geschichte kommt die Zeit wieder in die Gegenwart und die Hauptfigur verabschiedet sich von Frau Brücker.

 Inhaltlich ist das Werk intermedial, da es eine grafische Bearbeitung des Buchs von Uwe Timm ist, in der Form sind auch ein paar intermediale Elemente vorhanden, man kann unter anderem erwähnen, dass auf S. 13 die Figuren einen Film anschauen. Die Graphic Novel beinhaltet ganz am Ende einen Teil, in dem der historische Hintergrund der Geschichte, nämlich Hamburg im Jahre 1945, erläutert wird. Der Text wird mit zeitzeugenden Fotos ergänzt. Die Beziehung zwischen Bild und Text ist typisch für die Gattung der Graphic Novel. Die Blasen sind hauptsächlich Sprechblasen, die manchmal aus den Paneln rauskommen, wie auf S. 5.

Der Zeichenstil ist detailliert und realistisch, auf S. 14, als der Soldat und Frau Brücker einen Luftschutzkeller suchen, sieht man die Trümmer am Straßenrand. Außerdem erkennt man die Ausdrücke der Figuren, zum Beispiel die Wut des Soldaten auf S. 31, der keine Ahnung von der Kriegslage hat. Der Realismus der Ausdrücke wird durch den Kontrast der schwarz-weißen Bilder verstärkt. Dieser Stil wirkt sehr erwachsen, was zum historischen Rahmen der Geschichte, das Ende des Zweiten Weltkriegs, passt. Dadurch bekommt der Leser die bedrückende Stimmung der Epoche zu spüren. Zu diesem Eindruck tragen auch die verschiedenen Bildfunktionen bei. Zum Beispiel pfeift auf S. 9 eine Figur und die Blase enthält ein musikalisches Zeichen. Auf S. 47 liest der Ich-Erzähler die Zeitung, auf der ‘’USA’’ steht, was eine appellative Funktion hat, da an dieser Stelle der Geschichte Deutschland den Krieg gegen die Alliierten verloren hat. Man findet auch Lautmalereien, wie auf S. 19 den Laut ‘’wumm’’ der für das Geräusch der Luftangriffe steht.

Die Bilder passen also zum Inhalt der Graphic Novel und die Bilder haben keine selbstständige Funktion, sondern dienen eher dazu, die Geschichte in den Vordergrund zu stellen.

Zum Schluss finde ich, dass Die Entdeckung der Currywurst von Isabel Kreitz ein intermediales Werk ist. In der Tat ist die Geschichte von dem Roman von Uwe Timm entnommen und die Graphic Novel enthält mehrere intermediale Elemente. Die Autorin liefert jedoch durch ihren detaillierten Still ihre eigene Interpretation der Ereignisse. Zwar erlaubt die realistische Abbildungsweise der Geschichte, die ganze Aufmerksamkeit des Lesers anzuziehen, aber die Bilder, die verschiedene Funktion annehmen und auf weitere Medien deuten, sind trotzdem einen Mehrwert für die Erzählung.